Rede an die Jugend

Die Rede an die Jugend findet immer im Dezember statt. Mit der Ausrichtung dieser Veranstaltung für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe erinnert die Bürgerstiftung daran, dass die „Schwäbisch Haller Bürgerstiftung – Zukunft für junge Menschen“ am 17.02.2002 vom Regierungspräsidium in Stuttgart genehmigt wurde. Mit der Rede an die Jugend feiert die Bürgerstiftung sozusagen im Kreis junger Menschen ihren Geburtstag. Referenten aus den unterschiedlichsten Disziplinen erläutern besonders interessante Fachthemen ausgerichtet auf ein junges Publikum. Zeitgenossen, gleich welchen Alters, die als Vorbilder für Jugendliche gelten können, sollen ihre Botschaften an die Jugend weitergeben.

 

2016
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen
Professor für Finanzwirtschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Die Veranstaltung fand am 22. November 2016 von 10.00 bis 12.00 Uhr im Gymnasium bei St. Michael statt. Der Titel seines Vortrages lautete: „Zur Akzeptanz der Generationenverträge: Ein Baby-Boomer-Problem!“.

Rede an die Jugend 2016 - Bürgerstiftung Schwäbisch Hall

Der Freiburger Professor Bernd Raffelhüschen in der Aula am Schulzentrum Ost. – Foto: Ufuk Arslan

(Artikel aus dem Haller Tagblatt vom 23.11.2016)

Es gibt nichts Gutes außer Kinder. Von Kindern können wir nicht genug kriegen. Sie sind das Gold einer Gesellschaft“, überzeugt Professor Dr. Bernd Raffelhüschen einen Schüler. Der hatte ihn gestern in der Fragerunde nach dem Vortrag in der vollbesetzten Aula des Schulzentrums Ost nach der Gerechtigkeit des deutschen Rentensystems gefragt. Dabei wollte der Schüler wissen, was besser für den Staat sei: Arbeiten zu gehen, oder zu Hause bei den Kindern zu bleiben?

Finanzexperte Raffelhüschen plädiert klar fürs Kinderkriegen: „Wenn Ihre Frau  Karriere macht und sie 15 Jahre lang durchfüttert, dann kriegen Sie als Vater 15 Entgeltpunkte. Sie bekommen 15 Jahre für die Rente angerechnet, als ob Sie Lohn empfangen hätten.“  Er warnt sogar davor, keinen Familienzuwachs anzustreben: „Wir müssen Kinderlose mehr mit rannehmen, damit es funktioniert.“ Dass diese natürlich nicht begeistert sein werden, wenn die Steuern für sie steigen, räumt er ein. Doch er rechtfertigt seinen Grundsatz mit einem monströsen Vergleich: „Der, der von der Welt geht, ohne etwas zu hinterlassen, ist ein Zombie!“

Privilegierte werden privilegiert

Er ist ein Fan der Jugend: „Ich bin viel mehr ein Interessensvertreter der jungen Generation. Nur das, was im Bundestag steckt, ist katastrophal. Die Politiker müssten die Interessen der eigenen Generation vertreten, das tun sie aber nicht. Wir privilegieren die Privilegierten und die Politiker schnallen das nicht.“

An dieser Stelle ergreift Thomas Preisendanz, ehemaliger Schulleiter des Gymnasiums bei St. Michael, das Wort und appelliert an die versammelte Schülerschaft der Oberstufe: „Wenn Sie an diesen Entscheidungen mitwirken wollen, dann müssen Sie bei dieser Diskussion dabei sein.“ Der Vorstand der Bürgerstiftung, die jährlich zur Rede an die Jugend einlädt, meint: „Ihre Generation nimmt sich immer mehr aus der Politik heraus. Sie stehen in einem demokratischen Land immer mehr Älteren gegenüber statt Jungen. Wenn Sie nicht mitwirken, wird das immer schlimmer!“ Im Jahr 2007 war Raffelhüschen schon einmal Gast bei der Rede an die Jugend. Preisendanz will herausgehört haben, dass er jetzt weniger optimistisch in Bezug auf die private Absicherung der Rente ist.

Kinder als Luxusgut

Kann man sich Kinder überhaupt leisten? Diese Frage stellt der Professor aus Freiburg. „Kinder sind etwas, das als Luxusgut gilt. Wenn man reich ist, kriegt man aber keine“, lautet Bernd Raffelhüschens Gesellschaftskritik. Betrachtet man die Bevölkerungsstatistik, die Raffelhüschen an die Wand projiziert, so kann von einer Pyramide gar nicht mehr die Rede sein. An der Zwiebelform des Schaubildes kann man eindeutig erkennen: Es fehlt in Deutschland die Jugend.

Immerhin sei  man im Durchschnitt 22 Jahre alt, wenn man zum ersten Mal Steuern und sonstige Abgaben zahlt, erklärt Bernd Raffelhüschen. „Aber die Welt ist schön. Und die Steinzeit ging nicht zu Ende, weil keine Steine mehr da waren. Sondern, weil neue Technologien entwickelt wurden“, schließt der Referent optimistisch. Er sei ein Gegner der Panikmache, dass die Rente nicht sicher und Altersarmut unvermeidlich sei.

 

2013
Egon Kochanke, Regionalbeauftragter für Afrika im Auswärtigen Amt

Egon Kochanke - Rede an die Jugend 2013 - Bürgerstiftung Schwäbisch Hall

Egon Kochanke

Die diesjährige „Rede an die Jugend“ der Schwäbisch Haller Bürgerstiftung wurde vom Botschafter Egon Kochanke gehalten. Vor ca. 450 Schülern am Gymnasium bei St. Michael beschrieb Herr Kochanke den Jugendlichen sowohl seine Arbeit als Regionalbeauftragter für Afrika im Auswärtigen Amt, als auch seine  Tätigkeiten und Funktionen als früherer Botschafter in Namibia.  Dabei gab er den Zuhörern interessante Einblicke in die deutsche Afrikapolitik und stand den Jugendlichen auch nach seinem Vortrag für Fragen offen.

2012
Petra Gerster, Journalistin und Fernsehmoderatorin

Petra Gerster, Rede an die Jugend 2012 bei der Bürgerstiftung Schwäbisch Hall

Petra Gerster, Rede an die Jugend 2012 bei der Bürgerstiftung Schwäbisch Hall – Quelle: Haller Tagblatt

Petra Gerster hielt im Rahmen der seit 10 Jahren jährlich stattfindenden „Rede an die Jugend“ der Schwäbisch Haller Bürgerstiftung in der Aula des Gymnasiums bei St. Michael einen höchst aufschlussreichen Vortrag zu dem Thema, wie die Presse aus Ereignissen Nachrichten macht und wie Nachrichten gleichzeitig die Welt verändern. Gleich zu Beginn stellte die Journalistin, die seit 1998 als Hauptmoderatorin die ZDF–heute-Nachrichten um 19 Uhr moderiert und es deshalb wissen muss, in den Raum, dass die Presse nicht so frei ist, wie sie nach dem Gesetz sein sollte und wir, also das Volk, trotz der Flut an Informationen, die wir täglich erhalten, lange nicht so gut informiert sind, wie wir glauben. Um das Problem der objektiven Berichterstattung zu veranschaulichen, stellte Petra Gerster sich und den Zuhörern zunächst die Frage, wie es denn dazu kommt, dass sich sämtliche Nachrichten unterscheiden, wenn diese doch objektiv, das heißt umfassend, verständlich und in der richtigen Gewichtung informieren. Der Grund dafür liege an dem Überfluss von Informationen, der dazu führe, dass wir heute zwar richtig, aber nicht besonders gut informiert seien.

 

2011
Prof. Ulrich Raulff, Leiter des Literaturarchivs in Marbach

Rede an die Jugend der Bürgerstiftung Schwäbisch Hall

Rede an die Jugend 2011 – Prof. Ulrich Raulff (Quelle: Haller Tagblatt)

Prof. Ulrich Raulff, der Leiter des Literaturarchivs in Marbach hat ein spannendes Thema gesetzt: „Wie wir schreiben, was wir schreiben, warum wir schreiben und was wir tun wenn wir nicht schreiben“. Prof. Raulff machte den Schülern anschaulich klar, wie sehr gerade sie im „Schreiben zu Hause“ sind. Jeden Tag ist ein Großteil der Jugendlichen auch schreibend in sozialen Netzwerken unterwegs oder schreibt sogar eigene Blogs. Dichter und Tagebuchschreiber sind auch noch nicht ausgestorben. Prof. Raulff gab den Schülern Einblick in interessante Tagebücher aus dem Archiv in Marbach und demonstrierte so, wie unterschiedlich Autoren Texte erstellen, mit Texten arbeiten und wie sie ihre Texte aufbewahren.

2010
Daniel Zimmermann, Bürgermeister Mohnheim am Rhein

Rede an die Jugend der Bürgerstiftung Schwäbisch Hall

Rede an die Jugend 2010 – Daniel Zimmermann (Quelle: Haller Tagblatt)

Daniel Zimmermann, der im August 2009 mit 27 Jahren zum jüngsten Bürgermeister in Deutschland gewählt wurde, sprach zum Thema „Junge Leute und Politik“. Er appellierte an die Oberstufenschülerinnen und -schüler, sich politisch zu engagieren. Jeder habe die Möglichkeit in seinem Gemeinwesen für positive Veränderung zu sorgen.

Er selbst gehörte bereits mit 17 Jahren mit 4 weiteren Gymnasiasten zu den Mitbegründern der Jugendpartei „PETO – Die junge Alternative“ in seiner Heimatstadt Monheim. Am 30. August 2009 erreichte PETO bei der Monheimer Stadtratswahl fast 30% der Stimmen und 12 Sitze, womit sie mit der CDU gleichzog. Die gleichzeitig stattfindende Bürgermeisterwahl konnte Zimmermann für sich entscheiden. Zimmermann kommentierte dies mit den Worten: „Ich bin nicht wegen, sondern trotz meines jungen Alters gewählt worden“.

2009
Dr. Christoph Graf Douglas, Kunstvermittler

 

Graf Douglas bei der Rede an die Jugend 2009

Graf Douglas bei der Rede an die Jugend 2009(Quelle: Haller Tagblatt)

Unter dem Titel „Kunst ist Kunst. Alles andere ist alles andere“ erklärte Graf Douglas, gegliedert nach den 7 Kategorien: Echtheit, Qualität, Erhaltungszustand, Mode, Rarität, nationale Bedeutung und Provenienz, wie sich die Preise für Kunstwerke bilden und was den wirklichen Wert der Kunst darstellt.

2008
Evelyne Gebhardt, Mitglied des Europarlaments

 

Rede an die Jugend 2008

Rede an die Jugend 2008 (Quelle: Haller Tagblatt)

Der Vortrag befasste sich mit der gerade für junge Menschen bedeutsamen Frage: „Brauchen wir Europa“. Dabei betonte Eveline Gebhardt die Leistung der europäischen Union: „Den Frieden haben wir nicht in der Welt, den Frieden haben wir aber in Europa“. Die Referentin gab der Hoffnung Ausdruck, dass „wir irgendwann die vereinigten Staaten von Europa haben“.

2007
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

 

Rede an die Jugend 2007

Rede an die Jugend 2007 (Quelle: Haller Tagblatt)

In seinem Vortrag „Was sie über unsere Volkswirtschaft wissen müssen“ ging Prof. Raffelhüschen ganz besonders auf das Thema der Generationengerechtigkeit innerhalb der Versorgungssysteme (Renten, Pensionen, Pflege- und Krankenversicherung) ein.

2006
Prof. Dr. mult. Wolfgang Frühwald, Literaturwissenschaftler

Rede an die Jugend 2006

Rede an die Jugend 2006, Prof. Dr. mult. Wolfgang Frühwald (Quelle: Haller Tagblatt)

Zu mehr als 500 Gymnasiasten sprach Prof. Frühwald zum Thema „Lesen – ein Abenteuer“. Er fasste seinen Vortrag pointiert in dem Spruch zusammen: „Vorsicht – Lesen gefährdet die Dummheit“.

2005
Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Entwicklungspsychologe

 

Rede an die Jugend 2005 (Quelle: Haller Tagblatt)

Prof. Fthenakis ist ein ausgewiesener Familienforscher und hat als Mitglied der Familienkommission der Bundesregierung bei der Erstellung des 7. Familienberichtes mitgewirkt. Er leitet seit Jahrzehnten das Institut für Frühpädagogik in München und ist zugleich Odinarius für Entwicklungspsychologie und Anthropologie an der freien Universität in Botzen. Er hielt die 3. Rede an die Jugend und behandelte unter der Überschrift „Liebe und Zärtlichkeit“ die Frage „Wie kann eine erfolgreiche Partnerschaft gelingen?“.

2004
Prof. Dr. Michael Stürmer, Historiker und Publizist

Rede an die Jugend 2004

Rede an die Jugend 2004 (Quelle: Haller Tagblatt)

Das Thema von Prof. Stürmer lautete „Was die Vergangenheit für die Zukunft bedeutet“. Er vertrat die Ansicht: „Die deutsche Geschichte ist reicher, als die Deutschen denken und enthält mehr Hoffnung, als in den Schulen gelehrt wird. Beides aber, Mut und Selbstbewusstsein, werden wir brauchen in den schwierigen Zeiten, die längst begonnen haben“.

2003
Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a.D.

Heiner Geissler Rede an die Jugend 2003

Heiner Geißler

Rede an die Jugend 2003 - Veranstaltung der Bürgerstiftung Schwäbisch Hall

Rede an die Jugend 2003 (Quelle: Haller Tagblatt)

In der 1. Rede an die Jugend sprach Herr Prof. Dr. Heiner Geißler. Sein Thema lautete „Was würde Jesus heute sagen?“ – Heiner Geißler fragte nach der politischen Aktualität der Botschaft des Evangeliums. Außerdem appellierte Heiner Geißler an seine jugendlichen Zuhörer: „Überlassen Sie die Zukunft nicht den anderen, nehmen Sie sie selbst in die Hand“.