Der österreichische Genetiker Markus Hengstschläger spricht mit Schwäbisch Haller Schülern der Oberstufe über Talent und Zukunftschancen.

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Markus Hengstschläger

 

Die gute Nachricht zuerst – jeder Mensch hat Talent und viele individuelle Begabungen. ​Markus Hengstschläger, Professor für medizinische Genetik in Wien, liefert die schlechte Nachricht aber gleich mit. Der Begriff Talent werde diskriminierend benutzt – mit fatalen Folgen: „Geld, Ruhm, Likes und Follower sind nicht das Kriterium für Talent. Sie messen nur den Erfolg“, führt er aus. Ein Fußballstar wie Lionel Messi werde bewundert für seine sportlichen Leistungen, nicht aber eine Pflegekraft, die ihr ganz persönliches Talent bei der Betreuung von alten Menschen zeigt.

Stärken stärken

Die meisten Herausforderungen, die auf die nächste Generation zukommen, seien heute noch unbekannt. ​Laut Hengstschläger müsse es deshalb das Ziel sein, die individuellen Begabungen jedes einzelnen zu fördern. Heute könne keiner wissen, welche Stärken in der Welt von morgen gebraucht werden.

Schlechtes Zeugnis für Schulen

Hengstschläger bemängelt, dass Schüler viel zu wenig Hilfe erhalten, um ihre individuellen Talente und Stärken zu entdecken. „Wer sein Talent finden will, braucht dazu andere“, erklärt Hengstschläger und plädiert für Talentscouts an Schulen. Sie sollen jungen Menschen gezielt helfen, ihre Begabungen zu erkennen und konsequent zu verfolgen. „Man muss Stärken stärken“, betont er mehrfach. Den Jugendlichen wünschte Hengstschläger vor allem eines: Mut. Mut, den eigenen Weg zu gehen, auch wenn die eigenen Talente von der Norm abweichen.

​Die Schwäbisch Haller Bürgerstiftung „Zukunft für junge Menschen“​ veranstaltet seit 2002 die Rede an die Jugend für Schüler der Oberstufe.